07.05.09
Gezeiten der Liebe
Wenn man jemanden liebt,
so liebt man ihn nicht die ganze Zeit,
nicht Stunde um Stunde auf die gleiche Weise.
Das ist unmöglich.
Es wäre sogar eine Lüge,
wollte man diesen Eindruck erwecken.
Und doch ist es genau das,
was die meisten von uns fordern.
Wir haben so wenig Vertrauen
in die Gezeiten des Lebens,
der Liebe, der Beziehungen.
Wir jubeln der steigenden Flut entgegen
und wehren uns erschrocken gegen die Ebbe.
Wir haben Angst, die Flut würde nie zurückkehren.
Wir verlangen Beständigkeit, Haltbarkeit und Fortdauer;
und die einzig mögliche Fortdauer des Lebens
wie der Liebe liegt im Wachstum,
im täglichen Auf und Ab – in der Freiheit;
einer Freiheit im Sinne von Tänzern,
die sich kaum berühren und
doch Partner in der gleichen Bewegung sind.
Anne Morrow Lindbergh